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UBS AG Dagmar Maria Kamber Borens ist eine zielstrebige Frau. Sie leistet viel – und das mit Schwung und Leidenschaft.
Mit Hochleistungssport vergleicht sie den täglichen Spagat zwischen Arbeitswelt und Familie – und möchte ihn doch nicht missen. Ihr Appell an junge Berufseinsteigerinnen: Mutiger werden, die eigenen Stärken einbringen und beweisen, dass sie zu Höchstleistungen fähig sind. Frau Kamber, wie erlebten Sie den Berufseinstieg? Dieser fand im Alter von 15 Jahren statt. Ich arbeitete immer, während der Schulzeit und dem Studium; ich war Bademeisterin, Bibliothekarin, Skilehrerin, Chef de Service in einem Hotel in Luzern und Tutorin für Verwaltungsrecht an der Uni. Deshalb hatte ich beim Berufseinstieg nach dem Studium nie das Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Durch meine Erfahrungen kannte ich verschiedene Arbeitsumgebungen und fand mich schnell zurecht, was ein grosser Vorteil war. Wurden Sie anders behandelt als männliche Einsteiger? Ich habe nicht das Gefühl, dass beim Berufseinstieg grosse Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht werden; wenn das passiert, dann später. Zunächst zählen primär gute Leistung, voller Einsatz und proaktives Verhalten, was geschlechterunabhängig honoriert wird. Zumindest war dies meine Erfahrung bei der UBS. Haben Sie Ihre Karriere geplant? Konkret geplant hatte ich weder Karriere noch Familie. Doch bin ich sicherlich ein ehrgeiziger Mensch, im sportlichen Sinne. Ich habe lange intensiv Leichtathletik betrieben, ich wollte immer Leistung erbringen und etwas erreichen. Aber konkrete Vorstellungen und Pläne hatte ich nie. Ich war bereit, wenn eine Herausforderung auf mich zukam, und nahm sie jedes Mal an. Dabei blieb ich stets optimistisch, auch wenn ich teilweise im Stillen daran zweifelte, ob ich der neuen Aufgabe gewachsen war, und phasenweise enorm auf die Zähne beissen musste. Ich hatte schon immer die Fähigkeit, Menschen zu motivieren, sie für etwas zu begeistern, und auch den Willen, etwas durchzuziehen. Mehrere Projekte gleichzeitig zu begleiten, war immer mein Ding. Und auch jetzt habe ich zwei grosse Projekte, die parallel laufen: Familie und Beruf. Welchen Stellenwert hat die Arbeit in Ihrem Leben? Die Arbeit hat einen sehr hohen Stellenwert. Ich empfinde viel Leidenschaft und Freude für dafür; ich arbeite viel und gerne. Dabei versuche ich, das private Leben nicht ins Büro mitzutragen. Die Menschen, die mit mir arbeiten, kennen mich als zuverlässige Vorgesetzte und Mitarbeiterin, die viel leistet. Trotzdem möchte ich meine Familie nicht vernachlässigen. Es hilft sicherlich, dass ich mit wenig Schlaf auskomme, was ich glücklicherweise von meinem Grossvater geerbt habe. Wurden Sie hinsichtlich der beruflichen Karriere gefördert, und wenn ja, von wem? Beide Eltern sind Akademiker, entsprechend wurden wir Kinder zuhause im üblichen Umfang gefördert. Erwartet wurden eine gute Ausbildung, Leistung und Arbeit, und diese wurde uns auch im positiven Sinn vorgelebt. Ich wurde in meiner beruflichen Laufbahn nicht wirklich gefördert, sondern habe mir meine Karriere durch Leistung, fundiertes Wissen und grossen Arbeitseinsatz weitgehend selber erarbeitet. Ich hatte in der UBS das Glück, jeweils Vorgesetzte zu haben, die kein Problem hatten, dass ich auch Mutter bin. Jedoch wurde und wird erwartet, dass man als berufstätige Mutter die gleiche Leistung wie jeder andere Mitarbeitende erbringt. Dann ist das Management auch bereit, eine leitende Funktion mit einer Frau und Mutter zu besetzen. Das finde ich absolut fair. Es wird einem nichts geschenkt, ob als Frau oder als Mann. Wenn man gute Resultate liefert, verschafft man sich Respekt und Anerkennung. Ich hatte weder Nachteile noch Vorteile. Sie haben drei kleine Kinder – wie vereinbaren Sie Beruf und Familie? Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach. Es ist Hochleistungsport! Es bedeutet wenig Freiheit und viel Disziplin. Man verlangt viel von sich selber und seinem Umfeld. Ich erachte es als Privileg, in beiden Welten zu leben, es gibt mir ein unglaubliches Glücksgefühl und macht mich zu einem zufriedenen Menschen. Mein Umfeld und insbesondere mein Mann haben mich dabei immer stark unterstützt. Obwohl auch er als Partner in einer grossen Anwaltskanzlei ein grosses Arbeitspensum bewältigt, empfindet er es als Vorteil, eine berufstätige Frau zu haben. Als Gesprächspartnerin bin ich auf demselben Level wie er. Das bereichert unsere Beziehung sehr. Wie sieht Ihr Alltag aus? Die Woche ist durchorganisiert und bis ins Detail geplant. Ansonsten wäre mein Arbeitspensum mit der Aufgabe als Mutter nicht zu vereinen. Meine beiden Söhne sind sechs und viereinhalb Jahre alt, meine Tochter zweieinhalb. Sie brauchen uns noch sehr. Mein Mann und ich sind begeisterte Eltern und verbringen jede freie Minute intensiv mit den Kindern. Das bedingt, dass man schnell von der Arbeitswelt auf die Familie umstellen kann, wenn man nach Hause kommt. Die gesamte Logistik, die Organisation des Alltagslebens, vom vollen Kühlschrank über Arzttermine, Kindergeburtstagspartys, eine defekte Waschmaschine, die Wäsche selbst und vieles mehr ist mehrheitlich meine Aufgabe. Diese Sachen müssen alle irgendwie zwischen Sitzungen und spät abends organisiert werden. Wenn die Kinder krank sind, die Nanny ausfällt, mein Mann oder ich geschäftlich im Ausland sind oder irgend etwas ausser Plan läuft, ist das immer eine grosse Herausforderung. Es gibt immer wieder Momente, wo wir das Gefühl haben, es geht nicht mehr. Unterstützt werden wir von einer fürsorglichen, zuverlässigen Nanny, die die Tage von Montag bis Donnerstag Nachmittag abdeckt. Die Übergabe der Kinder morgens und abends teilen mein Mann und ich auf, inklusive Abendessen zubereiten. Wir sind ein gut eingespieltes Team, und jeder kann sich auf den anderen verlassen. Anders wäre es nicht möglich. Am Donnerstagnachmittag ist mein Mann für die Kinder da, und am Freitag bin ich den ganzen Tag daheim und bearbeite E-mails via Blackberry. Da wir beide ein 100%-Arbeits-Pensum haben, heisst das auch, dass wir abends, sobald die Kinder im Bett sind, meistens wieder arbeiten, oft bis Mitternacht. Mussten/müssen Sie als Familien- und Karrierefrau mit Vorurteilen kämpfen? Man hat – gerade in der Schweiz- mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, im privaten und beruflichen Umfeld. Mit solchen Reaktionen gehe ich mittlerweile gelassen um. Es ist immer wieder amüsant, die erstaunten Gesichter zu betrachten, wenn gewisse Leute meine Visitenkarte in den Händen halten und feststellen, dass ich eine Führungsposition innehabe. Auch im privaten Umfeld kommt immer wieder die vorwurfsvolle Frage, wie ich das nur schaffe. Manche Mütter im weiteren Umfeld, die mich nicht gut kennen, können mein Lebensmodell nicht nachvollziehen und gehen davon aus, dass ich eine schreckliche Mutter sein muss, die keine Ahnung hat, wie man mit einem Kind überhaupt spricht. Manche Leute sind überrascht, dass unsere Kinder so offen, unkompliziert und sozial sind, obwohl wir doch beide arbeiten. Meinen Kindern geht es gut, mein Mann und ich sind ausgeglichene, glückliche Menschen. Das zählt mehr als das, was andere über uns denken. Andererseits gibt es viele wohlwollende und positive Stimmen. Etwa junge Anwältinnen in der Kanzlei meines Mannes nehmen unser Modell als motivierendes Beispiel. Auch in der UBS kommen immer wieder junge Frauen auf mich zu, die sich Tipps holen und ebenfalls Familie mit Beruf vereinbaren wollen. Diese Erlebnisse wiegen die zum Teil gehässigen Bemerkungen und Vorurteile auf. Wie steht es um Ihre Work-Life-Balance? Das ist etwas, das jeder für sich selber festlegen muss. Wer einen Job will, bei dem man keine Überstunden leisten muss und pünktlich um 17 Uhr das Büro verlassen kann, der darf auch keine Erwartungen hinsichtlich Karriere hegen. Work-Life-Balance ist wichtig, aber noch wichtiger ist es, dass man zufrieden ist mit seinem Leben. Abgesehen davon ist ‚work’ ein Teil von ‚life’ und somit für mich nicht ein gegensätzlicher Begriff. Die Arbeit ist ein äusserst spannender und befriedigender Teil meines Lebens, den ich nicht missen möchte. Jedoch hinterfragen mein Mann und ich uns immer wieder, ob unser anstrengendes Lebensmodell noch das Richtige für uns und insbesondere für die Kinder ist. Sobald es nicht mehr stimmt, würden wir das ändern. Das haben wir uns fest vorgenommen. Was kommt in Ihrem Leben zu kurz? Ganz einfach: Ich selber. Zeit für mich ist in meinem Leben nicht wirklich eingeplant. Sport habe ich seit der Geburt des ersten Kindes nicht mehr gemacht. Frauenabende muss ich praktisch jedes Mal absagen, selbst ein Besuch beim Friseur kommt selten vor. Ausschlafen ist – wie für jede Mutter mit kleinen Kindern – ein Luxus, der nicht drin liegt. Je älter die Kinder werden, desto mehr Zeit wird es geben, die ich wieder für mich nutzen kann. Ich habe wohl einen steinigen Weg gewählt. Andere Frauen machen zuerst Karriere und haben dann Ende dreissig Kinder. Bei mir lief beides parallel. Mit knapp 31 Jahren bekam ich mein erstes Kind, gleichzeitig stieg ich beruflich auf und übernahm verantwortungsvolle Posten, während ich nochmals zwei Kinder zur Welt brachte. Das ist ungewöhnlich, aber nicht unmöglich, wie man sieht. Frauen in verantwortungsvollen Positionen sind noch immer stark in der Minderheit. Was denken Sie, liegt das am Umfeld oder an den Frauen selbst? Zu einem Teil liegt es an unserer Gesellschaft, die von Frauen nicht erwartet, dass sie arbeiten und Karriere machen. In anderen Ländern stellt sich diese Frage nicht, denn dort ist man einerseits auf das Einkommen der Frau angewiesen, und andererseits sind die Studiengebühren derart hoch, dass über Jahre die Kredite abbezahlt werden müssen. Zu einem grossen Teil liegt es aber meiner Meinung nach an den Frauen selbst. Oft sind sie nicht ehrgeizig genug. Für eine Karriere ins Top-Management braucht es Ehrgeiz und Durchhaltewillen. Da kein Druck im Umfeld besteht, halten es viele Frauen nicht für nötig, sich beruflich ins Zeug zu legen und etwas zu erreichen. Der Biss der Frauen hört oft nach dem Studium auf. Eine gute Ausbildung ist vielen Studentinnen sehr wichtig. Sie wollen gute Noten und einen Abschluss erreichen. Danach gilt es aber, sich im Arbeitsalltag zu bewähren und weiterhin gute Leistung zu erbringen. Es ist anstrengend, gegen Vorurteile und Klischees anzukämpfen und gleichzeitig den eigenen Ansprüchen im Privatleben zu genügen. Es ist schade, dass Frauen so wenig "Hunger" nach Erfahrungen in einem männerdominierten Umfeld haben und oft nicht einmal probieren, dort Fuss zu fassen. Viele wählen den bequemen Weg und üben einen Beruf aus, der sich später gut mit Familie und Kindern vereinbaren lässt. Ich wünsche mir, dass die Frauen mutiger werden und sich mehr zutrauen. Es scheitert nicht an den Fähigkeiten, sondern am Willen, dass wenige Frauen in der Führungsetage anzutreffen sind. Welche Ratschläge geben Sie jungen, gut ausgebildeten Berufseinsteigerinnen auf den Weg? Wer wie in der Schweiz auf Kosten des Staates eine sehr gute Ausbildung geniessen kann, ist meines Erachtens dazu verpflichtet, durch Erwerbstätigkeit der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Deshalb kann ich es nicht verstehen, wenn Frauen nach jahrelangem Studium zu 100 Prozent dauerhaft zuhause bei den Kindern bleiben und häufig nicht weniger Fremdbetreuung in Anspruch nehmen als ich. Jungen Frauen rate ich, mutig und selbstbewusst den Weg zu gehen, den sie gehen möchten. Wichtig dabei ist, dass man in einer Männergesellschaft sich selbst treu bleibt. Weder zum Mannsweib mutieren noch versuchen, die weiblichen Reize einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen. Damit nährt man nur die bestehenden Klischees und legt anderen Frauen Steine in den Weg. Man muss und soll die guten, weiblichen Seiten ins Arbeitsumfeld einbringen und damit punkten. Wir Frauen haben viele Stärken, die sehr nützlich sind. So verfügen wir über stärker ausgeprägte Soft Skills, sind transparenter in der Kommunikation, haben ein grösseres Organisationstalent und können besser ‚multitasken’ als Männer. Jedoch können und sollen wir auch von den Männern lernen. Wenn eine Frau mit Vorurteilen konfrontiert wird, soll sie souverän bleiben, weder zickig noch emotional werden und anhand von Leistung beweisen, dass es keinen Unterschied zwischen Frau und Mann gibt. Der berufliche Werdegang Jura-Studium, lic. iur. 1997; Praktikum bei Novartis, Konzernrechtsabteilung Mergers & Aquisitions, 1997; Pratikum bei E&Y, Rechtsabteilung Basel, 1998 und Gray’s Inn, Anwaltskanzlei in London, 1998; Dissertation in Wettbewerbsrecht, 1999; UBS, M&A – Abteilung, Private Banking, 1999- Mitte 2000; UBS Group Strategic Analysis, M&A auf Konzernebene, London, 2000-2004; UBS, Chairman's Office, juristische sowie organisatorische Verantwortung der UBS Generalversammlung und Beratung des Verwaltungsrates in Corporate Governance-Angelegenheiten, 2004-2008; seit November 2008 Chief of Staff des Group Chief Financial Officers, UBS (die Finanzabteilung umfasst knapp 3000 Mitarbeiter).
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