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Der erste Lohn Berufseinstieg

Der erste Lohn

Welchen Lohn frischgebackene Absolventen in ihrem ersten Job erhalten, hängt von vielen Faktoren ab. Careerstep gibt Einblicke.

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Frisch ab der Uni oder der Fachhochschule sind die Lohnvorstellungen oft noch diffus. Doch wer sich umhört und seine eigenen Fähigkeiten richtig einstuft, weiss rasch, wie hoch sein Marktwert ungefähr ist. Der Rest ist Verhandlungssache.

«Nein, ein eigentliches Tabuthema ist der Lohn unter uns Jungen nicht mehr», sagt Andreas Martel, seit vergangenem Herbst Studienabsolvent der Universität Bern mit einem Lizenziat in Philosophie und Anglistik. «Wir diskutieren recht offen, wer wie viel verdient, und vor allem, was sich wo verdienen liesse.» Aber es sei für ihn klar, dass eine spannende Aufgabe viel wichtiger sei als der Lohn, «nur, ausbeuten lassen möchte ich mich auch nicht».

Chancen für Quereinsteiger intakt

Dabei ist die Spanne für den Quereinsteiger, der seinen Platz nicht etwa im Elfenbeinturm von Forschung und Lehre, sondern in der Wirtschaft sucht, recht gross: Das könnte ein Trainee-Programm bei einem Beratungsunternehmen oder einer Bank sein oder auch ein direkter Berufseinstieg. Ein zweijähriges Trainee-Programm, das dem 27-Jährigen erlaubt, nebenbei seine Dissertation zu schreiben, würde rund 3000 Franken pro Monat bringen, hat Martel eruiert. Gelingt ihm der direkte Berufseinstieg, so wäre es etwa doppelt soviel.

Doch das dürfte für den Hauptfachphilosophen kein leichtes Spiel werden. Viele grosse Beratungsunternehmen wie die Boston Consulting Group, McKinsey oder BearingPoint sind zwar durchaus offen, auch Nichtökonomen aufzunehmen. «Aber sie verlangen, dass man sich das ganze betriebswirtschaftliche Rüstzeug auf anderem Weg angeeignet hat», zeigen Martels erste Erfahrungen.

Dennoch: Mit einem Austauschjahr in den USA, zwei Semestern Wirtschaft an der Uni Genf, Praktika bei internationalen Organisationen in Genf und London sowie einem viermonatigen Praktikum in der Marketingabteilung eines deutschen Porzellanproduzenten in Shanghai fühlt sich Martel gut gerüstet für den Berufseinstieg.

Ökonomieabsolventen verdienen am besten

Seinem 24-jährigen Bruder Alexander dürfte der Berufseinstieg leichter fallen – zumindest statistisch betrachtet. Mit seinem Bachelor und bald einem Master in Wirtschaftswissenschaften bringt er das richtige Papier mit, um in der Top-Liga der Hochschulabsolventen mitzuspielen.

Gemäss Erhebung des Bundesamtes für Statistik verdienen Absolventen der Wirtschaftswissenschaften etwa ein Jahr nach Studienabschluss rund 80 000 Franken jährlich, egal, ob der Abschluss an einer Universität oder Fachhochschule gemacht wurde. Ihnen folgen Absolventen der Fächer Medizin und Pharmazie mit rund 77 000 Franken sowie der Technischen Wissenschaften mit 75 000 Franken. Über alle Fachrichtungen hinweg verdienen Hochschulabsolventen rund 73 000 Franken in ihrem ersten Berufsjahr.

Der Einstiegslohn ist bei Absolventen der Fachhochschule mit durchschnittlich rund 75 000 Franken allerdings spürbar höher als bei den Uniabsolventen mit 71 000 Franken. Als Praktikant erhält ein FH-Absolvent ein Anfangssalär von rund 40 000 Franken. Ein Uniabsolvent verdient in der gleichen Position nur etwa 34 000 Franken. Assistenten und Doktoranden können im Mittel mit 73 000 Franken (FH) beziehungsweise 60 000 Franken (Uni-)Einstiegsgehalt rechnen. In höher bezahlten Funktionen schneiden Uniabsolventen dagegen leicht besser ab.

Die jährliche Studentenbefragung von Universum zeigt, wie vorsichtig die Hochschulabsolventen Ihre Lohnchancen einschätzen: «Ihre Erwartungen decken sich weitgehend mit den tatsächlich bezahlten Einstiegsgehältern oder liegen gar leicht darunter», weiss Nelly Riggenbach, Country Managerin Schweiz der Talentschmiede Universum aus deren jährlicher Absolventenbefragung.

«Das liegt auch daran, dass junge Leute sehr offen miteinander über ihr Einkommen sprechen», sagt Riggenbach. Sie tun dies oftmals gegen den Willen ihrer Arbeitgeber. Denn in der Schweizer Arbeitswelt gilt noch immer die Maxime, dass die Löhne zu den Geschäftsgeheimnissen gehören, über die auch unter den Mitarbeitenden nicht diskutiert werden sollte.

Untereinander sind die Arbeitgeber dagegen durchaus offen: «Der informelle Fluss zwischen den Unternehmen läuft sehr gut», weiss Hans Reis, Chefredaktor des Verbandmagazins «Schweizer Arbeitgeber». «Man kennt sich, trifft sich regelmässig und tauscht auch Informationen über das aktuelle Lohngefüge untereinander aus», sagt Reis.

Generell ist die Spanne zwischen den niedrigsten und den höchsten Gehältern für die gleiche Position gross. Das Gefälle ist einerseits regional bedingt. So sind die Verdienstmöglichkeiten in der Region Zürich und Ostschweiz laut Bundesamt für Statistik überdurchschnittlich hoch. Im Tessin liegen die Einstiegssaläre dagegen rund 15 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Das zeigt sich auch in den Einstiegslöhnen nach Universität:

Die Studienabgänger der Hochschule St. Gallen und der Universität Zürich verdienen nach ihrem Berufseinstieg am meisten. Der hohe Durchschnittslohn von 81 000 Franken der Absolventen aus St. Gallen ist aber auch darauf zurückzuführen, dass dort vor allem Ökonomen ausgebildet werden. Die Absolventen der ETH und der Uni Basel sowie der Uni Bern liegen im schweizerischen Durchschnitt. Der im Vergleich zu den Ökonomen tiefe Anfangslohn der Juristen ist auf den unterschiedlichen Karriereverlauf zurückzuführen. Viele Rechtswissenschaftler nehmen nach dem Studium die Ausbildung zum Rechtsanwalt an die Hand. Sie absolvieren dafür ein Praktikum in einer Kanzlei oder auf einem Gericht.

Die Anzahl Semester hat kaum einen Einfluss auf den Lohn, ebenso wenig wie ein Auslandsemester, obwohl es von Seiten der Wirtschaft immer wieder als wichtig hervorgehoben wird. Deutlich mehr verdient dagegen, wer schon während seines Studiums einer Arbeit nachgeht, die auch als Berufsvorbereitung dient. Gesamtschweizerisch verdienen solche Absolventen rund 2400 Franken mehr pro Jahr. Und einen spürbaren Einfluss auf das Anfangsgehalt hat schliesslich das Geschlecht: Hochschulabsolventinnen verdienen auch heute noch rund 2500 Franken weniger als ihre männlichen Kollegen.



 
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