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Die Energiewirtschaft lechzt nach Studienabgängern – gesucht werden Ingenieure, Informatiker und Ökonomen.
Auf den Ratings der beliebtesten Arbeitgeber, die regelmässig unter Studenten erhoben werden, tauchen die grossen Firmen der Schweizer Energiewirtschaft nie auf. Obwohl der Bereich der erneuerbaren Energie boomt, zieht es vor allem Ingenieure eher zu kleineren Firmen dieser Branche.
Und Ökonomen und Informatiker haben in den vergangenen Jahren dem Sog der Finanzindustrie nicht widerstehen können, die verlockenden Boni und weit über dem Industriedurchschnitt liegende Grundsaläre von Banken und Versicherungen liessen Jobangebote im industriellen Sektor wie auch in der Energiewirtschaft lange Zeit blass aussehen.
Mit der Finanzkrise an den amerikanischen Hypothekarmärkten und dem steigenden Druck auf den einheimischen Finanzplatz scheinen industrielle Arbeitgeber hingegen in nächster Zukunft wieder etwas bessere Karten zu haben, wenn es ums Anwerben von Studienabgängern geht.
Das ist auch dringend nötig, haben die seit der Liberalisierung und mit den steigenden Öl- und Energiepreisen stark wachsenden grossen Schweizer Energiekonzerne doch einen enormen Bedarf an Akademikern und Fachhochschulabsolventen.
Allein bei den Bernischen Kraftwerken (BKW) sind zurzeit an die siebzig offene Stellen zu besetzen, jährlich werden 150 bis 250 neue Mitarbeiter eingestellt. Ähnlich sieht es bei den anderen grossen Energiefirmen wie Axpo oder Atel aus. Ingesamt bietet die Energiewirtschaft Jahr für Jahr an die 1000 neue Stellen an.
Blindbewerbungen erwünscht
Dass die Stromkonzerne ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen wollen, zeigt schon allein die Tatsache, dass die BKW im Personalwesen und für die Personalrekrutierung 33 Leute beschäftigt.
«Wir wollen künftig als attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen werden, begründet Lukas Eggenschwiler», BKW-Spezialist im Personalmarketing, diese Bemühungen.
Der wachsende Energiebedarf, die Öffnung der Märkte sowie die Umwälzungen in der Energielandschaft sind die Eckpfeiler, die der Energiewirtschaft zu qualifiziertem Personal verhelfen sollen.
«Wir würden uns freuen, wenn wir häufiger auch mit Blindbewerbungen eingedeckt würden», so Eggenschwiler.
Direkteinstieg für Ökonomen
Obwohl Studienabgänger aus allen für die Energiewirtschaft relevanten Bereichen gute Einstiegschancen haben, sind diese bei den Ökonomen am besten. Dies hängt vor allem mit der Liberalisierung des Stromhandels zusammen. Dieser Bereich weist die grössten Wachstumsraten im Personalsektor aus.
«Das gilt sowohl für Betriebs- wie auch für Volkswirte», so Eggenschwiler.
Noch stärker als bei den Ingenieuren kämpfen die Energiekonzerne um Leute mit einem Wirtschaftsabschluss, da sie sich in diesem Bereich nicht nur direkt konkurrenzieren, sondern etwa wie die BKW auch mit Firmen wie den Bundesbahnen oder Swisscom um die besten Kräfte kämpfen müssen.
Bei den Ingenieuren vor allem ABB als Hauptkonkurrentin, die im Grossraum Zürich nicht nur im Lohnbereich eine attraktive Arbeitgeberin ist, sondern erst noch mit den Möglichkeiten von Auslandseinsätzen lockt.
Anreiz Weiterbildung
Mit Anreizen vorab in der Weiterbildung und bei den Aufstiegsmöglichkeiten versuchen sich die Energiekonzerne im Arbeitsmarkt zu profilieren. So bestehen in der internen Ausbildung weitgehende Programme, die den Aufstieg junger Kaderleute fördern und beschleunigen sollen.
«Wir haben bereits eine ganze Reihe an 30-jährigen, die anspruchsvolle Führungspositionen übernommen haben», so Eggenschwiler.
Absolviert ein Ingenieur etwa noch ein MBO, so wird ihm diese Ausbildung in den meisten Fällen vollumfänglich finanziert. In diesem Bereich haben vor allem Fachhochschulen an Bedeutung gewonnen, da deren Abgänger meist schon Berufserfahrung mitbringen.
«Für Maschinen-, Bau- und Elektroingenieure ist dies von grossem Vorteil, das beschleunigt auch die Aufstiegsmöglichkeiten», heisst es bei der BKW.
Nicht notwendig sind hingegen Auslandserfahrungen, auch wenn es von Vorteil ist, wenn die Bewerber gute Englisch- und Französischkenntnisse mitbringen. Firmensprache ist aber bei allen grossen Energiekonzernen das Deutsche, entsprechend haben die Stromriesen auch ihr Rekrutierungsgebiet stark auf den süddeutschen Raum ausgeweitet.
«Hier sind wir sehr aktiv», bestätigt Eggenschwiler. Nicht nur in den technischen Bereichen, sondern auch im Handel ist der Anteil Fachkräfte aus Deutschland denn auch bereits beträchtlich.
Imageproblem Kernkraftwerk
Ungern wird in den Energiekonzernen im Rekrutierungsbereich über die Thematik der Kernkraftwerke gesprochen. Die bestehenden Kraftwerke haben nur noch eine beschränkte Lebensdauer, und ob neue Werke in der Schweiz realisierbar sind, ist politisch offen.
Dies beschert den Energiekonzernen in Teilen der Studentenschaft ein Imageproblem, das intern heiss diskutiert wird. Obwohl sich die grossen Konzerne intensiv mit Projekten rund um erneuerbare Energien beschäftigen, bewerben sich Studienabgänger mit einer kritischen Haltung gegenüber der Atomenergie schon gar nicht erst bei den Grossen der Branche.
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