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Um von einer Auslandserfahrung wirklich profitieren zu können, braucht es mehr als die Zusage der Gasthochschule oder einen Arbeitsvertrag.
Gemäss dem Bundesamt für Migration zieht es rund 30'000 Schweizerinnen und Schweizer jährlich ins Ausland. Viele davon sind Studierende, die zu Praktikum, Studium oder Arbeitsaufenthalt das Weite suchen. Beliebte Ziele sind Frankreich und England, aber auch Kanada, die USA, Australien, Neuseeland und Südostasien stehen ganz hoch in der Gunst der angehenden Akademiker. Die Gründe für ein, zwei oder mehr Semester sind vielfältig: Fernweh, die Lust, Land, Leute und Kultur im Alltag kennenzulernen, der Wunsch, Sprachkenntnisse praktisch anzuwenden oder spezielle Bildungs- und Arbeitsangebote anzunehmen. Die meisten Wiederkehrer sind von ihrer Auslandserfahrung begeistert, denn ein Aufenthalt in einer fremden Kultur kann nachhaltig prägen, wie der spanisch-französische Kultfilm «L’Auberge espagnol» von Cédric Klapisch auf witzige Art zeigt. Auch und gerade für das spätere Berufsleben ist die Erfahrung fern der Heimat überaus nützlich. Fred Thiele, Dipl.-Informatiker und heute Senior Consultant, beispielsweise ging für ein Praktikum nach New York. Er ist überzeugt, dass ihm das Kennenlernen der anderen Kultur und deren Denkmuster auf seinem weiterem Karriereweg extrem geholfen haben – der sich übrigens auch sehr international gestaltete. Für andere wiederum ist ihr Auslandsauf- enthalt so eindrucksvoll, dass sie statt nur «Ausland auf Zeit» für immer in der neuen Heimat bleiben. Stéphanie Killip beispielsweise studierte an der Ecole de Commerce Bordeaux, ging für zwei Semester an die Auckland University of Technology – und blieb. Mittlerweile seit 10 Jahren in Neuseeland und mit einem Neuseeländer verheiratet, eröffnete sie mit ihm ihr gemeinsames Film- und Fotostudio Bubblerock. Wenn eine Bewerbung für ein Auslandsstudium oder -praktikum erfolg- reich war, darf man sich also wirklich freuen – ein ganz wichtiger Lebensabschnitt steht bevor. Was jedoch in der ganzen Vorfreude nicht vergessen werden sollte, ist eine sorgfältige Vorbereitung. Die zum einen gewisse administrative Dinge sicherstellt wie etwa: Habe ich einen schriftlichen Vertrag? Brauche ich ein Urlaubssemester? Oder: Wo werde ich wohnen? Darüber hinaus spielen aber vor allem «Soft Facts» eine wichtige Rolle in der Vorbereitung auf das neue Leben: Die mentale Ein-stellung, statt lediglich ein gemütliches Urlaubssemester im Ausland zu verbringen, wirklich in einer anderen Kultur leben zu wollen. Diesen Wunsch hegte seinerzeit auch Sandra Hönle, Projektmitarbei-terin an der Universität Basel, die für drei Auslandssemester und ein Auslandspraktikum im Rahmen eines Doppeldiplomstudiengangs nach Mexiko ging. «Ich wollte ein spanischsprachiges Land wirklich in der Tiefe kennenlernen – ohne die Option, mal eben übers Wochenende in die Heimat fliegen zu können» Mit diesem Ziel vor Augen ging sie in die Vorbereitung: Sie informierte sich intensiv, um so realistische Erwartungen zu gewinnen und einen Kulturschock zu minimieren. «Denn gerade nach der ersten, aufregenden Ankunftszeit fallen Einige in ein mentales Loch, weil sie von den vielen Eindrücken überfordert sind», wusste die 28-Jährige aus Gesprächen mit anderen. In der Vorbereitung geholfen habe ihr, schon vor der Abreise Kontakt zu Mexikanern zu suchen, von denen sie Informationen über Land und Leute einholte – und sich schon vorab an die Sprache zu gewöhnte. Letzteres empfiehlt auch Alexandra Strebel, Koordinatorin Internationale Pro-jekte, deren Organisation Service Civil International Schweiz (SCI Schweiz) Kurz- und Langzeiteinsätze für Freiwillige auf der ganzen Welt vermittelt. «Das Arbeitsumfeld spricht zwar oft Englisch, aber um mit Leuten ausserhalb der Organisation in Kontakt zu treten und sich richtig zu integrieren, muss man die lokale Sprache sprechen.» Auch das Thema interkulturelle Kommunikation empfiehlt sich, in der Vorbereitung unbedingt zu berücksichtigen: In vielen Ländern trifft man auf eine andere Art, die Dinge anzusprechen, Gesten werden anders gebracht, Zeit wird anders wahrgenommen. Um Missverständnissen vorzubeugen, sei dabei ganz wichtig, zu beobachten und nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht, so Alexandra Strebel. Spezielle Vorbereitungsseminare, die von Hochschulen, Arbeitgebern und Organisationen wie dem SCI Schweiz im Vorfeld angeboten werden, gilt es daher unbedingt wahrzunehmen. Für das Leben im Ausland unbedingt mitzubringen sind des Weiteren Offenheit und Flexibilität. «Der anderen Kultur, den Gepflogenheiten und Einstellungen offen zu begegnen und nicht immer alles vergleichen, ist sehr wichtig, denn diese sind im jeweiligen Land weder besser noch schlechter, sondern einfach nur anders», meint Sandra Hönle. «Ständig Kommentare à la ‹daheim machen wir das aber so und so›, kommen gar nicht gut an. Einfach anschauen, zuhören, aufnehmen, und den Menschen das Gefühl geben, dass man wirklich Interesse an ihnen hat – statt womöglich zu erzählen, wie sie es doch aber viel besser machen könnten.» Auch neue, unerwartete Situationen, mit denen man im Alltag zurechtkommen muss, können oftmals auftreten: «Bei uns beispielsweise erhalten Teilnehmende vor ihrem Einsatz eine Arbeitsbeschreibung, doch es kann durchaus vorkommen, dass sich Aufga-ben durch neue Bedürfnisse im Projekt oder in der Organisation ändern. Hier ist Flexibilität gefragt», erzählt Alexandra Strebel aus der Praxis der SCI Projekte. Nach einer gründlichen Vorbereitungsphase flog Sandra Hönle dann nach Mexiko, mit ihrem Ziel im Gepäck: mittendrin statt nur dabei. «Ich habe mich die ersten Monate sehr bemüht, mich hauptsächlich mit Einheimischen zu umgeben, statt ausschliesslich mit Erasmus-Studenten herumzuhängen und auf deren Partys zu gehen. Auch gewohnt habe ich jedes Mal vor Ort mit Mexikanern», beschreibt Sandra Hönle ihr Engagement in Sachen Integration, das ihr sehr geholfen hat: «So habe ich das Land mit seiner vielseitigen Kultur und seinen guten wie aber auch den schlechten Seiten wirklich kennengelernt.» Anderen Grenzgängern rät sie, für sich selbst einen Weg zu finden: «Man muss sich integrieren, ohne jedoch die eigene Identität aufzugeben.» Sie selbst haben die Erlebnisse nachhaltig geprägt, und so profitiert sie noch heute von vielen Aspekten ihrer Auslandserfahrung: «Ich konnte natürlich mein Spanisch, auch im Arbeitskontext, perfektionieren. Darüber hinaus bin ich aber auch zum Beispiel sehr viel flexibler und entspannter geworden, weil ich erfahren durfte, wie Mexikaner für alles immer irgendwie eine Lösung finden.» Vorbereiten sollte sich jeder Auswanderer auf Zeit übrigens auch mental auf den heimischen Kulturschock, denn der kann einen bei der Rückkehr in die Schweiz durchaus erwarten. Auch hier gilt es, offen zu bleiben – und die positiven Aspekte der Schweizer Kultur wertzuschätzen. Sandra Hönle beispielsweise hat durch ihren Auslandsaufenthalt gelernt, die Zuverlässigkeit ihrer Arbeitskollegen nicht mehr als Selbstverständlichkeit hinzunehmen.
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