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Mentoring Karrieresprung

Mentoring

Der gezielte Einsatz von Mentoring-Programmen hat weit mehr zu bieten, als die traditionellen Verbandelungen lokaler Machtgefüge.

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Früher war der Schmiss im Gesicht das verbindende Element zwischen bestandenen Berufsleuten und Studenten, sofern sie der selben schlagenden Studentenverbindung angehörten. Eine Art von Mentoring, die lange bestand, bevor der Begriff überhaupt in Mode gekommen ist. Die alten Seilschaften der Männer aus Studentenzeiten, Militär und sonstigen männerdominierten Zirkeln mögen noch heute in der einen oder anderen Form das Mentoring ersetzen. Doch hat der gezielte Einsatz von Mentoring-Programmen weit mehr zu bieten, als die traditionellen Verbandelungen lokaler Machtgefüge.

Es mag nicht überraschen, dass der im vergangenen Jahrzehnt aus den nordischen Ländern in die Schweiz importierte Begriff des Mentoring noch um die Jahrtausendwende vor allem als Synonym für Frauenförderungsprogramme von Universitäten oder Fachhochschulen stand. Da Studentinnen wie auch Professorinnen nach wie vor im Durchschnitt über weit kleinere Netzwerke verfügen als ihre männlichen Kollegen, begannen verschiedene Hochschulen der Schweiz mit einem vom Bund finanzierten Förderprogramm. Das Ziel war es etwa, junge Naturwissenschaftlerinnen oder Ökonomien zu fördern und so den Frauenanteil etwa bei der Besetzung von Professorenstellen oder auch von Managementposten zu erhöhen. Dass Mentoring als neues Förderinstrument vorerst vor allem für die verbesserteVernetzung von Frauen eingesetzt wurde, zeigt auch ein Blick in die Schweizerische Mediendatenbank SMD. Bis ins Jahr 2005 war in Hunderten von Berichten über das Mentoring nur in einer handvoll von Fällen von Männer-Mentoring die Rede. Das männliche Geschlecht entdeckte das gezielte Mentoring erst in den vergangenen Jahren, vor allem durch die Förderprogramme, die heute praktisch alle Universitäten und Fachhochschulen von St. Gallen bis Genf anbieten.

Kernziel: Fehler erkennen und vermeiden

Trotz unterschiedlichster Zielsetzungen und Unmengen an Mentoring-Prospekten lassen sich diese Programme auf ein knappes Dutzend klarer Ziele zusammenfassen. Und obwohl sich diese Ziele unterschiedlich formulieren lassen, steht über allem ein zentraler Gedanke: ältere, berufserfahrene Mentoren sollen Studenten aller Stufen dabei helfen, Fehler zu begehen, die sie später bereuen sollten und die ihre Karriere- und auch Lebensplanung negativ beeinflussen, wie es ein Mentor der Universität St. Gallen treffend formuliert hat. Darin steckt der Ansatz der ganzheitlichen Betreuung während des Studiums, ein Aspekt, der über Jahrzehnte an den höheren Bildungsstätten sträflich vernachlässigt wurde. Zwar fehlen bis heute aus der Schweiz konkrete Studien über den Nutzen des Mentorings, doch zeigen vergleichbare Untersuchungen aus Skandinavien, England oder Deutschland auf, dass aus dieser Betreuungstätigkeit gar ein volkswirtschaftlicher Nutzen entsteht, da langfristig nicht nur die Fluktuationsraten sinken, sondern auch die Quote der Studienabbrecherung um einiges zurückgegangen ist. Und nicht zu vergessen ist der Imagenutzen für Universitäten, denen es gelingt, ehemalige Studenten längerfristig als Mentoren an sich zu binden und sich dadurch ein verstärktes Lobbying auf politischer wie wirtschaftlicher Ebene für die eigenen Interessen zu sichern. Was die meisten Universitäten auch in ihren Programmen unumwunden zugeben.

Fördern, vernetzen, planen

Untersucht man die Mentoringprogramme der verschieden Schweizer Universitäten und Fachhochschulen, kristallisieren sich folgende zentrale Ziele heraus: Mentoring bedeutet fordern und fördern der Studenten

  • ganzheitliche Zukunftsplanung
  • gezielter Ausbau der beruflich-fachlichen Kompetenzen
  • Wissensaustausch zwischen den Generationen
  • Bereicherung des universitären Lebens dank Praxiserfahrung
  • Gezielte, individuelle Vernetzung
  • Vorbereitung auf den Bewerbungsprozess
  • Vorbereitung auf den Berufsalltag
  • Eigene Fähigkeiten erkennen und einschätzen lernen
  • Mut entwickeln, um für klare Karriereziele einzustehen

Stehen im Mittelpunkt aller Mentoringprogramme vor allem berufliche Ziele, fällt im fruchtbaren Kontakt zwischen Mentor und Mentee aber durchaus oft auch ein sinnvoller Nutzen für den privaten Alltag ab. Den Fragen wie Teilzeitarbeit nach dem Studium und dessen Einfluss auf das Privatleben, Finanzplanung für weitere Auslandaufenthalte oder gar für private sportliche oder kulturelle Ziele gehören durchaus zu den oft diskutierten Fragen zwischen dem Förderer und dem Geförderten, wie die zahlreichen Umfragen unter Studenten zeigen.

Win-Win-Situation für alle

Der grosse Andrang zu den Mentoring-Programmen an an den Universitäten zeigt, dass das Bedürfnis nach einer Beratung, die über den Wissenstransfer hinweg geht, enorm ist. Allein an der Universität St. Gallen haben sich zurzeit über 500 Studentinnen und Studenten für das Mentoringprogramm eingetragen, nicht weniger sind es an den anderen Universitäten. Und einzelne Fachhochschulen melden eine Beteiligungsrate von bis zu siebzig Prozent ihrer Studentinnen und Studenten, so dass an einzelnen Orten gar die Mentoren auszugehen drohen. Der Kontakt zwischen Mentor und Mentee hat sich bewährt und sofern die Chemie stimmt, in den meisten Fällen zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten entwickelt. Wie im angloamerikanischen Raum entwickelt sich das organisierte Mentoring auch in der Schweiz allmählich zum wichtigsten Grundpfeiler der Nachwuchsförderung. Und dass sich Kader aus allen Firmen und Berufszweigen finden lassen, zeigt auch, dass diese Programme von der Wirtschaft durchaus auch als Rekrutierungsinstrument bewährt haben. Auch wenn die meisten Mentoring-Programme sich bemühen zu betonen,dass ein Mentor kein Ersatz sei für eine persönliche Bewerbungsstrategie sei. Das war ein Schmiss im Gesicht früher aber auch nicht.

 
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