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Wer sich an einem sozialen Projekt oder an einer Fallstudie im Ausland beteiligt, sammelt nicht nur wertvolle Pluspunkte für den Lebenslauf. Sondern gewinnt auch neuen Input für’s Studium.
Hunde, die an der Leine rumspazieren, hat Silja Ramseier kaum gesehen. Dafür riesige Elefanten oder Kamele, die neben ihr vorbeitrampeln. «Das waren schon eindrückliche Bilder», erzählt die 24-jährige Baslerin. Silja Ramseier studiert im neunten Semester an der Universität Basel Geografie und Soziologie und hat sich vor über zwei Jahren auf ein Abenteuer eingelassen. «Im Rahmen eines Forschungspraktikums erhielten wir die Möglichkeit, für zwei Monate in die indische Grossstadt Ahmedabad zu reisen», so die Studentin. Super Gelegenheit – habe sie sich gedacht, ihren Rucksack gepackt und sich gemeinsam mit sechs Studienkollegen auf die Reise gemacht. Dort angekommen, machte ihr bald das tropische Klima zu schaffen. «Wir reisten im Sommer nach Indien - also gerade in den Monsunmonaten», erzählt sie. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die warmen Temperaturen seien enorm drückend gewesen. Untergebracht wurden die Studenten in einer Wohnung im Stadtzentrum, die sie gemeinsam mit Studierenden aus anderen Ländern teilten. «Das Wort Privatsphäre musste ich für zwei Monate aus meinem Wortschatz streichen», erzählt sie lachend. Daal, Reis, Kartoffeln und Gemüse Den Tag hindurch haben die Studierenden in einem kleinen Büro an einer Fallstudie über die Verminderung von Armut und Risiko gearbeitet. «Wir fuhren jeweils mit Rikschas an unseren Arbeitsplatz», erzählt sie. An den halsbrecherischen Fahrstil der Rikscha-Fahrer hätte sie sich erst gewöhnen müssen, genauso wie an das Essen fernab der Heimat. «Ahmedabad ist eine vegetarische und alkoholfreie Stadt», erzählt sie. Alkohol seit für Ausländer nur mit einer Lizenz erhältlich. «Zum Mittagessen hat es immer einen ‹fixed lunch› gegeben, der aus Reis, Daal, Gemüse und Kartoffeln bestand – und mir sehr geschmeckt hat», sagt Silja. Abends hätten sie oft selbst gekocht oder gingen in ein Restaurant essen. «Häufig lagen wir aber einfach nur wie tote Fliegen auf dem Bett, weil uns das Klima so geschlaucht hat», erinnert sie sich zurück. Wenig Bewegung und überhaupt kein Sport, das sei etwas, was ihr schwer gefallen sei. Auch die vielen Eindrücke des Tages zu verarbeiten, sei nicht immer einfach gewesen. «Wenn man Leute auf der Strasse sieht, die sich nur mit einem einfachen Zelt vor dem Regen schützen und stark frieren, stimmt das sehr nachdenklich». Besonders geprägt hat die junge Baslerin die Feldforschung in Fischer- und Bauerndörfern in Tamil Nadu, im Süden Indiens. «Ich habe dort während einer Woche die Auswirkungen des Klimawandels auf die Existenz der armen Leute untersucht». Diese Dörfer seien immer wieder von unvorhersehbaren Zyklonen, Dürren oder Überschwemmungen betroffen. «Die Menschen haben teilweise keinen sicheren Ort für ihre Werkzeuge und verlieren bei einer Überschwemmung ihr ganzes Hab und Gut», erzählt sie. Der Weg zum Markt sei in einem Dorf ebenfalls abgesperrt, was das Verkaufen beziehungsweise Kaufen von Waren während einer gewissen Zeit unmöglich macht. «Diese Armut hat mir schon gezeigt, was es eigentlich heisst, mit einem Rucksack, einem Laptop und einer Kamera umherzureisen», sagt sie. Auch hätten gewisse Bewohner des Fischerdorfs noch nie einen weissen Menschen gesehen, weshalb die 24-jährige Silja beinahe als Sensation galt. «Die Menschen waren enorm herzlich zu mir und auch neugierig. Sie wollten viel über mich und mein Leben wissen». Neue Motivation fürs Studium Zurück in der Schweiz, galt es erst einmal, das Erlebte zu verarbeiten. Sie habe aber auch schnell gemerkt, dass ihr das Forschungspraktikum enorm viel gebracht habe. «Einerseits auf der persönlichen Ebene: Ich schätze all die Möglichkeiten, die wir in der Schweiz haben viel mehr», sagt die Studentin. Ausserdem habe ihr die Reise nach Indien einen Motivationsschub für’s Studium verleiht. «Die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort so intensiv mitzuerleben, haben mein Interesse für bestimmte Themen vertieft», erzählt sie. Weitergebracht habe sie auch die Erkenntnis, dass man beim Forschen vor Ort auf andere Leute angewiesen sei und gewisse Vorabklärungen vieles erleichtern. Das Gelernte kann die Studentin für ihr nächstes Vorhaben in die Tat umsetzen. Silja Ramseier reist für ihre Masterarbeit nämlich noch einmal nach Indien, Ziel ist erneut Ahmedabad. «Ich kenne mich da bereits aus und weiss, was mich ungefähr erwartet», sagt sie. Auch das Thema für ihre Arbeit habe sie bereits im Kopf: «Ich möchte etwas über die Abfallverwertung durch den informellen Sektor machen», erklärt sie. Viele arme Leute seien vom Abfall abhängig – so zunehmend auch vom Elektronikabfall. Die Leute würden das Gold oder das Kupfer aus PC’s oder Radio’s rauslösen und es verkaufen. «Damit verdienen sie ihr Geld zum Überleben», so Silja. Dieses Rauslösen und Rausschmelzen von Metallen sei aber enorm schädigend für die Umwelt und die Gesundheit, da unter anderem giftige Stoffe ins Abwasser fliessen. Auf die Reise, die sie für Juli und August geplant hat, freut sie sich schon sehr: «Es ist einfach faszinierend, vor Ort zu forschen, mit den Leuten in Kontakt zu sein und den Kontext so besser zu spüren und zu verstehen». Und sich für eine gewisse Zeit nur rein vegetarisch und alkoholfrei zu ernähren, ist ja auch nicht so ungesund.
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