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Was wir jetzt sehen: die Ökonomisierung der Loyalität Karrieresprung

Was wir jetzt sehen: die Ökonomisierung der Loyalität

Die «Generation Y», zwischen 1975 und 1985 geboren, ist mit allen Errungenschaften der modernen Technologie aufgewachsen.

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Professorin Jutta Rump über die aufstrebende Generation Y
— und deren harte Landung in der Wirtschaftskrise

Die «Generation Y», zwischen 1975 und 1985 geboren, ist mit allen Errungenschaften der modernen Technologie aufgewachsen. Was zeichnet diese Leute aus?

Diese Menschen finden nicht über einen Dress-Code zusammen, sondern definieren sich über Werte, Verhaltensmuster, Einstellungen. Die erste Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, hat eine hohe Leistungsbereitschaft, aber nicht kombiniert mit Pflicht, sondern mit Spass. Ein Arbeitsteam sieht man als Zweckgemeinschaft, nicht als kollegial-solidarische Gruppe. Job-Sicherheit ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Ihre Vorfahren halten einen guten Job viel länger aus, auch wenn man
dafür mit einem schlechten Betriebsklima «zahlen» muss. Oder kurz: Die Generation Y hat in ihrem Denken und Handeln eine viel kürzere Zündschnur als ihre Vorgänger — wohl auch, weil der Umgang mit dem Internet alles beschleunigt.

Jetzt erleben diese Leute im Arbeitsleben wohl ihre erste grosse Krise. Wie reagieren sie darauf?

Die Wertehaltungen von Menschen, auch am Arbeitsplatz, ändern sich eigentlich nur durch drei Einflüsse: Sozialisation, extreme Glücksmomente, Krisen. Letztere ereilt jetzt tatsächlich zum ersten Mal die Generation Y; sie muss ihre Werte ein Stück weit revidieren. Fast vergessene Tugenden wie Ehrgeiz und Fleiss werden jetzt wohl wichtiger, wenn man auf der Gewinnerseite des Lebens stehen will. Eine gewisse Sehnsucht nach Orientierung dürfte zunehmen.

Wenig Firmenloyalität und Frustrationstoleranz, dafür hohe Anforderungen an den Arbeitgeber: Können sich das die «Dot.com-Kinder» jetzt noch leisten?

Bisher erlebten die Talente die berufliche Szene als Arbeitnehmermarkt — sie konnten auswählen. Das dreht jetzt natürlich. Notgedrungen muss die sprunghafte Generation Y mehr Bindung an den Arbeitgeber zulassen.

Bindung an den Arbeitgeber – für die Generation Y bisher aber ein Fremdwort.

Ja, aber die Art ihrer Bindung ist nicht vergleichbar mit der Firmenloyalität, wie sie ein Babyboomer oder Vertreter der Nachkriegsgeneration leben. Die Generation Y geht anders vor. Was wir jetzt sehen: die Ökonomisierung der Loyalität. Das heisst: Man bindet sich derzeit, weil es entweder Spass macht — oder keine Alternative gibt. Ist in diesem Pakt des Aushaltezustandes aber ein schlechtes Arbeitsklima drin, gibt es für die «Dot.com-Kinder» beim nächsten Aufschwung nur eines: schnell wieder weg.

Jutta Rump ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Personalmanagement an der Fachhochschule Ludwigshafen und Leiterin des Insituts für Beschäftigung und Employability

http://web.fh-ludwigshafen.de/ibe/i

 
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