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Jacques Herzog wollte ursprünglich in der Forschung arbeiten und hat deshalb ein Chemie- und Biologiestudium begonnen.
Nach nur einem Semester hat er aber gemerkt, dass es etwas gibt was ihn mehr fasziniert: Die Architektur. Heute gehört er zusammen mit seinem Partner Pierre De Meuron zu den erfolgreichsten Architekten der Welt. Waren Sie ein disziplinierter Student oder haben Sie nach dem Laisser-faire Prinzip gelebt? Ich war sehr diszipliniert. Ich habe mein Studium so organisiert, dass ich nie unter Druck geriet. Selbst vor Prüfungen bin ich relativ relaxt geblieben, da ich den Stoff laufend nachbearbeitet habe. Kommt hinzu, dass ich die Materie sehr interessant fand und ich schon während den Vorlesungen konzentriert zugehört habe. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit? Es war ein wahnsinniger Bruch nach der Schulzeit. Ich musste mir auf ein Mal bewusst werden, in welchem Gebiet ich ein Leben lang tätig sein möchte. Die Architektur hat mich gereizt, weil sie mir ein breites Spektrum an Möglichkeiten geboten hat. Architektur ist nicht nur ein Ausdruck von Kunst und Kreativität, sondern auch an zahlreiche technische Elemente gebunden. So konnte ich mich also in unterschiedlichen Gebieten ausleben. In meiner Zeit als Student bin ich oft umher geschwommen und liess mich treiben. Heute fühle ich mich auf jeden Fall besser als damals – auch, weil ich mit meiner Arbeit Erfolg hatte und sicher geerdeter bin als zu meiner Studienzeit. Was hat Sie neben der Architektur noch interessiert? Gab es eine weitere Option? Ich wollte in der Forschung arbeiten und habe deshalb ein Biologie- und Chemiestudium angefangen. Ich hatte aber Mühe, dem Stoff zu folgen. Deshalb habe ich das Studium nach dem ersten Semester wieder abgebrochen und mich für die Architektur entschieden. Ich schnupperte in den Bereich der Naturwissenschaften rein und merkte schnell, dass dies nicht meine Welt ist. Das Erforschen eines neuen Gebiets und seiner Umgebung, und das Entwickeln von Ideen kann ich nun in meinem Beruf als Architekt ebenfalls ausleben. Was raten Sie jungen Architekten für Ihre Karriere? Ich gebe ungern Tipps ab, die für die Allgemeinheit gelten. Ein gut gemeinter Rat macht dann Sinn, wenn man eine Person kennt. Schlussendlich ist es aber immer wichtig, dass jemand seine eigenen Erfahrungen macht. Schlechte Erfahrungen können natürlich auch schmerzen, bringen einen Menschen aber immer weiter. Wer sich beispielsweise in einer bestimmten Studienrichtung nicht zurechtfindet, soll dies als eine lehrreiche Erfahrung ansehen – und anschliessend den Mut haben, in einen anderen Bereich zu wechseln. Schliesslich übt man den Beruf meistens sein Leben lang aus. Was machen Sie für Ihre Work-Life-Balance? Das Wort «Work-Life-Balance» finde ich furchtbar (lacht). Ich gestalte meinen Alltag bewusst so, dass ich alle möglichen Aktivitäten – seinen dies private oder berufliche – mit Freude ausübe und gleichwertig gewichte. Ich nehme mir gerne Zeit für alles was mir wichtig ist. Und da ich meinen Beruf als Architekt sowieso sehr spannend finde, habe ich gar nicht das Bedürfnis, einen Ausgleich zu meiner Arbeit zu schaffen. Karriere und Familie – ist das Ihrer Meinung nach vereinbar? Das ist von einer guten Partnerschaft abhängig. Gegenseitige Unterstützung ist wichtig, aber auch den richtigen Zeitpunkt für‘s Kinderkriegen zu finden. Als 20- oder 30-Jähriger hätte ich mich auf jeden Fall noch nicht bereit gefühlt, eine Familie zu gründen.
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