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Lohnverhandlungen: Noch immer ein Tabuthema? Neuigkeiten

Lohnverhandlungen: Noch immer ein Tabuthema?

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer.

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Ein Porsche wäre nicht schlecht. Ein schönes Haus mit einem grossen Garten muss auch sein. Hinzu kommt ein Anzug von Hugo Boss – und idealerweise noch genügend Kleingeld für den Bügelservice.

Wer jahrelang studiert hat, möchte später etwas verdienen. Der Lohn ist heutzutage ein entscheidender Faktor, weshalb die besten CEOs das Unternehmen wechseln und sich «neu orientieren» wollen. Der Lohn – gerade auf Managementebene – sorgt aber auch immer wieder für Diskussionsstoff. Und ist auch unter den Studierenden ein Thema.

«Wir werden oft nach den Einstiegsgehältern gefragt», erzählt Katrin Meier vom Career Services Center der Universität St.Gallen (HSG). Sie und ihr Team unterstützen die HSG-Studenten bei Fragen rund um die Karriereplanung und bieten Dienstleistungen wie CV-Checks, Workshops oder einen Bewerbungsratgeber an. Meier erklärt, dass gerade in den Branchen Consulting und Finance attraktive Gehälter bezahlt würden. Hinzu kommt der ausgezeichnete Ruf der HSG. «Deshalb können unsere Absolventen mit einem vergleichsweise hohen Einstiegslohn rechnen», sagt Meier.

Gewisse Firmen würden beim Einstieg ein Jahresgehalt von 100‘000 Franken oder mehr bezahlen, erzählt die Career Managerin. Wie hoch die jeweiligen Löhne sind, erfährt Katrin Meier im direkten Austausch mit den Unternehmensvertretern: «Wenn ich nachfrage, sind die meisten Firmen transparent und geben offen Auskunft», erklärt Meier. In Beratungsgesprächen empfiehlt sie, auch das eigene Netzwerk oder Alumni zu aktivieren, um eine realistische und marktübliche Gehaltsvorstellung zu entwickeln. Ausserdem weist sie immer darauf hin, dass das Gehalt nur ein Entscheidungskriterium sein sollte und sich Absolventen überlegen sollten, was ihnen neben dem Gehalt noch wichtig ist, zum Beispiel Weiterbildungsmöglichkeiten.

Wie sich gezeigt hat, verdienen Männer bei ihrem Einstieg noch immer mehr als Frauen. «Im Krisenjahr 2009 haben sich die Gehälter zwar kurzzeitig angepasst, weil die Einstiegsgehälter für Männer gesunken sind – und die der Frauen sogar leicht gestiegen», erklärt Stephan Egger vom Seminar für Soziologie der der Universität St.Gallen. «Schon die Statistiken von diesem Frühjahr zeigen aber, dass die Männer wieder deutlich höhere Einstiegsgehälter erreicht haben».

Diese Gehaltsschere entstünde durch unterschiedliche Faktoren, so Stephan Egger: «Die Belastungsfähigkeit für Männer wird generell höher eingeschätzt, Frauen werden eher als potentielle Aussteigerinnen angesehen – wenn das Thema Familie aktuell wird.» Egger geht deshalb auch davon aus, dass es diesen «gender gap» in Zukunft weiterhin geben wird. Auch weil die Tendenz zeige, dass sich eher Männer in risikoreiche und gut bezahlte Felder wie beispielsweise Investment Banking wagen, «Frauen bevorzugen nach wie vor das Marketing oder das Personalwesen».




Lohn unwichtig?

Von einem derart hohen Einstiegslohn kann Séverin Bretscher nur träumen. Wenn er wollte. Der Aargauer studiert in Basel Medienwissenschaften und Philosophie und sagt, dass der Lohn für ihn Nebensache sei. «Wenn ich später möglichst viel verdienen möchte, hätte ich was anderes studieren müssen», sagt er. Der Journalismus, das Schreiben ist es, was ihn reizt - «und das Umherreisen». So lange das Geld zum Leben reichen würde und er einen spannenden Beruf habe, sei er zufrieden.

Auch Karin Weber aus St.Gallen macht sich derzeit Gedanken über ihren Berufseinstieg. Sie studiert im fünften Jahr Zahnmedizin und wägt derzeit ab, ob sie nach dem Studium an der Universität oder in einer Privatpraxis arbeiten möchte. «In einer Privatpraxis verdient man natürlich deutlich mehr als an der Uni, was für mich aber nicht ausschlaggebend ist». Für sie sind spannende Aufgaben und Herausforderungen im beruflichen Alltag entscheidender.


Lohnrechner gibt Aufschluss
Dass es tatsächlich vielen jungen Leuten nicht in erster Linie um den Lohn geht, bestätigt auch Roger Gfrörer von den Career Services der Universität Zürich.

Seine Universität ist im Gegensatz zur HSG eine sogenannte Volluniversität und bietet rund 80 unterschiedliche Studienfächer an. «Einen Unterschied in den jeweiligen Branchen spüre ich aber nicht». Er berät durchs Band hindurch alle möglichen Studenten beim Thema Berufseinstieg, - angehende Betriebswirte, Biologen, Theologen, Juristen - «eigentlich kommen alle zu uns, ausser die Mediziner».

Dass er nach dem Einstiegsgehalt gefragt werde, komme aber äusserst selten vor. Roger Gfrörer geht davon aus, dass sich die Studierenden selbst bei Kollegen oder im Internet über Einstiegsgehälter in ihren Branchen informieren. Falls er doch einmal angefragt wird, verweist er auf den individuellen Lohnrechner vom Bundesamt für Statistik oder auf den Link Lohncheck.ch. Diese Tools geben detailliert Auskunft über Durchschnittsgehälter in den unterschiedlichen Branchen, Regionen und Funktionen unter Berücksichtigung des persönlichen Lebenslaufs.

http://www.lohncheck.ch/
 
http://www.lohnrechner.bfs.admin.ch

 
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